Marketing

Kaufverhalten beeinflussen: Psychologie im Marketing fair nutzen

Soziale Bewährtheit, Knappheit, Ankereffekt: So verstehst du Kaufentscheidungen und kannst das Kaufverhalten deiner Kunden fair beeinflussen.

20.12.2023

8 Min. Lesezeit

Kaufverhalten beeinflussen: Kundin vergleicht Produkte im Geschäft

Warum greifen Menschen im Supermarkt zur teureren Marke, obwohl das günstigere Produkt gleichwertig ist? Warum kaufen sie im Onlineshop mehr, wenn ein Countdown läuft? Kaufentscheidungen sind selten rein rational. Sie werden von Emotionen, Gewohnheiten und psychologischen Mustern geprägt. Wer diese Muster kennt, kann das Kaufverhalten beeinflussen und Kunden besser durch ihre Entscheidung begleiten.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Faktoren das Kaufverhalten bestimmen, welche psychologischen Prinzipien im Marketing wirken und wie du sie fair und verantwortungsvoll einsetzt. Denn kurzfristige Tricks, die Kunden täuschen, schaden langfristig deiner Marke und können rechtliche Folgen haben.

Was das Kaufverhalten bestimmt

Die Wissenschaft des Konsumentenverhaltens untersucht seit Jahrzehnten, wie Menschen Kaufentscheidungen treffen. Dabei zeigt sich: Neben dem Preis und der Qualität eines Produkts spielen viele weitere Faktoren eine Rolle.

Psychologische Faktoren: Motive, Wahrnehmung, Einstellungen und Erfahrungen.

Soziale Faktoren: Familie, Freunde, Vorbilder und gesellschaftliche Normen.

Persönliche Faktoren: Alter, Lebensphase, Beruf, Einkommen und Lebensstil.

Kulturelle Faktoren: Werte, Traditionen und regionale Unterschiede.

Situative Faktoren: Zeitdruck, Stimmung, Umgebung und Anlass des Kaufs.

Für dein Marketing bedeutet das: Du musst deine Zielgruppe genau kennen. Ein Student kauft anders ein als eine Familie mit drei Kindern, und ein Spontankauf an der Kasse folgt anderen Regeln als die Anschaffung eines neuen Autos.

Die Phasen der Kaufentscheidung

Die meisten Kaufentscheidungen durchlaufen mehrere Phasen. Je teurer und wichtiger das Produkt, desto bewusster durchlaufen Kunden diese Schritte.

1.

Bedarf erkennen: Der Kunde merkt, dass ihm etwas fehlt oder ein Problem gelöst werden muss.

2.

Informationen suchen: Er recherchiert online, fragt Freunde oder liest Bewertungen.

3.

Alternativen bewerten: Er vergleicht Produkte, Preise und Anbieter.

4.

Kaufentscheidung treffen: Er wählt ein Produkt und einen Händler.

5.

Nach dem Kauf: Er bewertet, ob er zufrieden ist, und empfiehlt das Produkt weiter oder nicht.

In jeder dieser Phasen kannst du das Kaufverhalten beeinflussen. Hilfreiche Inhalte unterstützen die Informationssuche, klare Vergleiche erleichtern die Bewertung, und ein guter Service nach dem Kauf sorgt für Weiterempfehlungen. Wie du diese Phasen sichtbar machst, zeigt unser Beitrag zur Customer Journey Map.

Kaufverhalten beeinflussen: Kundin entscheidet sich im Laden

Psychologische Prinzipien, die das Kaufverhalten beeinflussen

Der Psychologe Robert Cialdini hat mehrere Prinzipien der Überzeugung beschrieben, die bis heute im Marketing genutzt werden. Ergänzt um Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie ergeben sich die folgenden wirksamen Hebel.

Soziale Bewährtheit

Menschen orientieren sich an anderen. Wenn viele Kunden ein Produkt positiv bewerten, steigt das Vertrauen. Bewertungen, Kundenstimmen, Fallstudien und Hinweise wie „Bestseller“ nutzen dieses Prinzip. Wie du echte Bewertungen sammelst, erfährst du im Beitrag zum Thema Kundenbewertungen sammeln.

Knappheit

Was selten oder nur begrenzt verfügbar ist, erscheint wertvoller. Limitierte Editionen, begrenzte Stückzahlen oder zeitlich befristete Angebote wecken den Wunsch, schnell zuzugreifen. Wichtig ist, dass die Knappheit echt ist. Gefälschte Countdowns, die nach Ablauf neu starten, täuschen Kunden.

Der Ankereffekt

Die erste Zahl, die Menschen sehen, beeinflusst ihre Einschätzung aller weiteren Zahlen. Dieser Ankereffekt erklärt, warum ein Angebot für 79 Euro günstig wirkt, wenn daneben ein Premiumpaket für 149 Euro steht. Preisvergleiche wirken nur dann seriös, wenn die Referenzpreise tatsächlich verlangt wurden.

Reziprozität

Wer etwas geschenkt bekommt, möchte etwas zurückgeben. Kostenlose Proben, nützliche Ratgeber, Vorlagen oder eine persönliche Beratung schaffen Wohlwollen und erhöhen die Bereitschaft, später zu kaufen.

Autorität

Menschen vertrauen Experten. Prüfsiegel, Testergebnisse, Fachartikel und Empfehlungen anerkannter Personen stärken die Glaubwürdigkeit eines Angebots.

Verlustaversion

Verluste wiegen psychologisch schwerer als gleich große Gewinne. „Verpasse nicht 20 Prozent Ersparnis“ wirkt oft stärker als „Spare 20 Prozent“. Auch kostenlose Testphasen nutzen das Prinzip: Wer ein Produkt einmal nutzt, möchte es ungern wieder hergeben.

Einfachheit

Zu viele Optionen überfordern. Menschen schieben Entscheidungen auf, wenn sie zu viel vergleichen müssen. Eine klare Auswahl mit zwei oder drei Paketen und einer deutlichen Empfehlung erleichtert die Entscheidung.

Preispsychologie: Wie Preise wahrgenommen werden

Der Preis ist selten nur eine Zahl. Wie er präsentiert wird, verändert die Wahrnehmung deutlich. Wer diese Effekte kennt, gestaltet seine Preise so, dass Kunden den Wert eines Angebots besser erfassen.

Schwellenpreise

Ein Preis von 9,99 Euro wirkt deutlich günstiger als 10 Euro, obwohl der Unterschied nur einen Cent beträgt. Menschen lesen von links nach rechts und orientieren sich stark an der ersten Ziffer. Im Premiumbereich setzen viele Marken dagegen bewusst auf runde Preise, weil sie hochwertiger und selbstbewusster wirken.

Der Ködereffekt

Fügst du einem Angebot eine dritte Option hinzu, die kaum attraktiv ist, verändert sich die Wahl zwischen den anderen beiden. Ein Kino, das kleines Popcorn für 4 Euro, mittleres für 6,50 Euro und großes für 7 Euro anbietet, lenkt viele Kunden zur großen Portion. Die mittlere Größe dient als Vergleichsmaßstab, der das große Angebot günstig erscheinen lässt.

Bündel und Pakete

Pakete aus mehreren Produkten erleichtern die Entscheidung und erhöhen den Warenkorbwert. Kunden müssen nicht jedes Teil einzeln abwägen und sehen den Vorteil des Komplettpakets auf einen Blick. Ein Kaffeehändler kann zum Beispiel ein Starterset mit Bohnen, Mühle und Filter anbieten.

Preis in kleinere Einheiten zerlegen

„Nur 1 Euro pro Tag“ wirkt zugänglicher als „365 Euro pro Jahr“. Diese Darstellung ist legitim, solange der Gesamtpreis klar erkennbar bleibt.

Gewohnheiten und Markentreue

Ein großer Teil unserer Einkäufe läuft automatisch ab. Menschen greifen zur gewohnten Zahnpasta, bestellen im bekannten Onlineshop und buchen den vertrauten Friseur. Diese Gewohnheiten sparen Zeit und Energie, machen es neuen Anbietern aber schwer.

Für dich heißt das zweierlei. Bestehende Kunden solltest du pflegen, damit dein Angebot zur festen Gewohnheit wird, etwa durch zuverlässige Qualität, Erinnerungs-E-Mails oder Abo-Modelle. Neue Kunden gewinnst du dagegen am ehesten in Momenten des Umbruchs: bei einem Umzug, einem neuen Job, der Geburt eines Kindes oder wenn das bisherige Produkt enttäuscht. In diesen Phasen sind Menschen offen für Alternativen.

Emotionen und Storytelling

Viele Kaufentscheidungen fallen emotional und werden erst danach rational begründet. Menschen kaufen keine Bohrmaschine, sondern das schöne Bild an der Wand. Sie kaufen keine Laufschuhe, sondern das Gefühl, fit und gesund zu sein.

Storytelling hilft dir, diese Emotionen anzusprechen. Erzähle, wie dein Produkt das Leben deiner Kunden verbessert. Zeige echte Menschen, echte Situationen und konkrete Ergebnisse. Eine gut erzählte Kundengeschichte bleibt länger im Gedächtnis als eine Liste technischer Daten.

Kaufverhalten im Onlineshop beim Bezahlen

Kaufverhalten im Onlineshop beeinflussen

Im E-Commerce kannst du viele Prinzipien gezielt umsetzen. Gleichzeitig fehlt online die persönliche Beratung, weshalb Vertrauen und Klarheit besonders wichtig sind.

Gute Produktbilder und Videos: Sie ersetzen das Anfassen im Laden.

Verständliche Produkttexte: Sie beantworten Fragen, bevor Kunden sie stellen.

Bewertungen: Sie schaffen Vertrauen und soziale Bewährtheit.

Transparente Kosten: Versandkosten früh nennen, um Überraschungen zu vermeiden.

Einfacher Checkout: Wenige Schritte, Gastbestellung und beliebte Zahlarten.

Passende Empfehlungen: Ergänzende Produkte erhöhen den Warenkorbwert.

Wenn Kunden den Kauf trotzdem abbrechen, helfen gezielte Maßnahmen. Welche das sind, erfährst du im Beitrag über Warenkorbabbrecher.

Grenzen: Fair beeinflussen statt manipulieren

Zwischen überzeugen und manipulieren liegt ein schmaler Grat. Sogenannte Dark Patterns, also Gestaltungstricks, die Kunden zu ungewollten Entscheidungen drängen, sind nicht nur unfair, sondern oft auch rechtswidrig. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verbietet etwa irreführende Angaben zu Preisen, Verfügbarkeiten oder Eigenschaften.

Zu den problematischen Praktiken gehören gefälschte Bewertungen, falsche Knappheitshinweise, versteckte Kosten, voreingestellte Zusatzprodukte und Kündigungsprozesse, die absichtlich kompliziert sind. Kurzfristig mag das den Umsatz steigern. Langfristig verlierst du Vertrauen, kassierst schlechte Bewertungen und riskierst Abmahnungen.

Die bessere Strategie: Nutze psychologische Prinzipien, um Kunden echte Vorteile verständlich zu machen und ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Wer zufrieden ist, kommt wieder und empfiehlt dich weiter.

Wirkung testen statt raten

Welche Prinzipien bei deiner Zielgruppe wirken, lässt sich nicht pauschal sagen. Was im Modehandel funktioniert, kann bei B2B-Software ins Leere laufen. Deshalb lohnt es sich, Annahmen systematisch zu testen, statt sich auf Bauchgefühl zu verlassen.

Teste zum Beispiel, ob ein Hinweis auf Kundenbewertungen neben dem Kaufbutton die Conversion-Rate erhöht oder ob eine vereinfachte Preistabelle mehr Buchungen bringt. Verändere dabei immer nur ein Element, damit du klar erkennst, was den Unterschied macht. Wie solche Tests aufgebaut sind, erklärt unser Beitrag zum A/B-Testing.

Praxisbeispiel: Ein Fahrradladen überarbeitet seine Preisseite

Ein Fahrradladen bietet drei Inspektionspakete an, die online kaum gebucht werden. Die Preisseite listet zwölf Einzelleistungen in einer langen Tabelle auf. Das Team vereinfacht die Seite: drei klar benannte Pakete, das mittlere als „Beliebteste Wahl“ markiert, darunter echte Kundenstimmen und ein Hinweis auf die Garantie.

Innerhalb weniger Wochen steigen die Online-Buchungen deutlich, und die meisten Kunden wählen das mittlere Paket. Das Beispiel zeigt, wie Einfachheit, soziale Bewährtheit und ein sinnvoller Anker zusammenwirken, ohne Kunden zu täuschen.

Typische Fehler

Zielgruppe nicht kennen: Prinzipien wirken je nach Zielgruppe unterschiedlich stark.

Übertreiben: Zu viele Hinweise und Countdowns wirken unseriös.

Falsche Versprechen: Unehrliche Angaben zerstören Vertrauen.

Nicht testen: Was wirkt, zeigt sich erst im Test mit echten Kunden.

Fazit: Verstehen, vereinfachen, Vertrauen schaffen

Wer das Kaufverhalten beeinflussen möchte, muss verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen. Psychologische Prinzipien wie soziale Bewährtheit, Knappheit, Reziprozität und der Ankereffekt helfen dir, dein Angebot überzeugend zu präsentieren. Entscheidend ist, sie ehrlich einzusetzen. Dann profitieren beide Seiten: deine Kunden treffen leichter gute Entscheidungen, und du gewinnst treue Käufer.

Häufige Fragen zum Thema Kaufverhalten beeinflussen

Wie kann man das Kaufverhalten beeinflussen?

Mit Kundenbewertungen, echter Knappheit, klaren Preisstrukturen, kostenlosen Mehrwerten, emotionalem Storytelling und einem einfachen Kaufprozess.

Welche Faktoren bestimmen das Kaufverhalten?

Psychologische, soziale, persönliche, kulturelle und situative Faktoren.

Was ist der Ankereffekt?

Die erste Zahl, die Menschen sehen, beeinflusst, wie sie weitere Preise bewerten.

Ist es erlaubt, Kunden psychologisch zu beeinflussen?

Ja, solange du sie nicht täuschst. Irreführende Angaben und Dark Patterns sind unzulässig.

Warum sind Emotionen beim Kauf so wichtig?

Viele Entscheidungen fallen emotional und werden erst später rational begründet.

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